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Lesung "the world is small - AND I'M SO BIG"
Wo: Im Gartensaal
Kosten: Keine
Die Künstlerin und Aktivistin Lisa-Maria Walter liest zu ihrer Ausstellung "the world is small - AND I'M SO BIG" im Saal unseres Stadtteilzentrums. Die Ausstellung befasst sich mit Diskriminierung, Ausgrenzung und Vorurteilen, die "fetten" Personen in ihrem Alltag und in unserer Gesellschaft entgegen schlagen. Lisa-Maria Walter konfrontiert die Zuschauer*innen mit den Lebensrealitäten und Abwertungen, denen sie und andere "fette" Menschen fortwährend ausgesetzt sind.
"In einer Welt, die täglich entscheidet, welche Körper Sichtbarkeit verdienen – und welche unsichtbar bleiben sollten –, erhebt sich diese Ausstellung als leiser, aber unübersehbarer Aufschrei. Sie zeigt den Körper einer dicken Frau. Unverhüllt. Selbstbestimmt. Poetisch. Wütend.
Die Fotografien erzählen nicht bloß von ihr – sie sprechen als sie. Der Körper ist kein Objekt, sondern Subjekt: ein sprechender, denkender, fühlender Körper, der sich nicht länger formen lässt von den stummen Normen einer fatphoben Gesellschaft.
Die Protagonistin dieser Serie ist zugleich Künstlerin und Medium. Sie nutzt ihren Körper als Leinwand, als Bühne, als Waffe. Ihre Posen sind nicht kokett, sondern konfrontativ; ihre Nacktheit ist nicht Einladung, sondern Provokation. Was der Blick des Betrachters zu entlarven meint, entlarvt am Ende nur ihn selbst. Diese Bilder wollen nicht gefallen. Sie wollen zwingen – zum Hinsehen, zum Infragestellen, zum Aushalten.
Denn Dicksein ist kein persönliches Versagen. Es ist ein gesellschaftlicher Tabubruch. In einer Kultur, die Schlankheit mit Disziplin, Schönheit und Moral gleichsetzt, wird der dicke Körper zum Symbol des „Zuviel“ – zu laut, zu fordernd, zu sichtbar. Diese Ausstellung widersetzt sich dem subtilen Gewaltakt der Unsichtbarmachung, der Diätkultur, dem medizinischen Reduktionismus. Sie hält den Betrachtenden einen Spiegel vor: Was siehst du – und was wurde dir beigebracht, zu sehen?
Begleitet von Textfragmenten, performativen Elementen und Objekten für ein allgemeines Nachempfinden des „zu viel seins“, entsteht ein Raum, der mehr ist als eine Galerie: ein Ort der Selbstbehauptung, ein Akt der Rebellion, ein Manifest der radikalen Körperakzeptanz. Die Ausstellung versteht sich als Einladung zum Dialog – nicht über, sondern mit dem dicken Körper. Sie fragt: Was bedeutet es, sich selbst zu gehören? Und wer darf eigentlich Kunst machen – und woraus?
„The world is so small, and I’m so big“ ist persönlich. Politisch. Poetisch. Und notwendig.
Denn solange dicke Körper als Projektionsflächen für Angst, Ekel oder Spott herhalten müssen, wird Kunst wie diese gebraucht – als Störung. Und als Versprechen."
Ort: Stadtteilzentrum Weißensee, Pistoriusstraße 23